Ihre beiden Kinder sollen es einmal besser haben, sagt Manuela Kahle. Jeden Monat legt die 33-Jährige 50 Euro für die Ausbildung von Sohn und Tochter auf die hohe Kante. Leicht fällt ihr das Sparen nicht. Manuela Kahle lebt von Hartz IV, muss nach Abzug aller fixen Kosten mit 500 Euro im Monat auskommen. Für Politiker, die die Lebenssituation der Hilfeempfänger schönreden, hat sie kein Verständnis: „Das ist einfach nur arrogant.“
Seit acht Jahren ist Manuela Kahle arbeitslos. Fachkraft im Gastgewerbe – diesen Beruf hat sie einmal gelernt, aber nie ausgeübt. „Mit zwei Kindern im Alter von vier und sechs Jahren ist es schwierig, einen Job als Kellnerin zu finden“, berichtet die Schwerinerin. Computer-Lehrgang, Ein-Euro-Jobs, Kahle schlug sich durch. Derzeit hilft sie beim Haushaltsservice des Arbeitslosenverbandes im Haus der Begegnung in der Perleberger Straße, sortiert Wäsche und Geschirr, gefördert aus dem Programm Soziale Teilhabe.
Jeden Cent muss Manuela Kahle mehrfach umdrehen, denn auch ihr Partner ist nur geringfügig beschäftigt, steuert lediglich einen kleinen Betrag zum Familieneinkommen bei. „Alles wird teurer“, klagt die Schwerinerin. Urlaub oder Kino seien nicht drin. „Wir kaufen nur das Preiswerteste, damit wir mit den Kindern wenigstens mal einen Ausflug machen können“, sagt Kahle. Für die Jüngsten müsse in der Gesellschaft mehr getan werden, fordert sie. Darum sollten sich die Mächtigen kümmern und nicht an den Hartz-IV-Beziehern herumkritisieren. Kahle bemüht sich weiter, eine feste Anstellung zu finden. „Wenn die Kinder älter sind, könnten meine Chancen steigen“, hofft sie.
Dirk Schulz hat beim Nahverkehr gelernt, war später auf Montage, setzte Fenster und Türen ein. Ein Unfall warf ihn aus der Bahn. Heute bekommt der 45-Jährige, Vater eines elf Jahre alten Sohnes, eine Erwerbsunfähigkeitsrente, verdient sich durchs Putzen noch ein bisschen dazu. Weil auch seine Frau nur geringe Einkünfte hat, erhält die Familie Leistungen vom Jobcenter. „500 Euro im Monat bleiben uns zum Leben“, sagt Schulze. „Wenn es gut läuft, kommen wir über die Runden.“
Aber es läuft nicht immer gut. Immer wieder gäbe es unvorhergesehene Ausgaben, erzählt Dirk Schulz, der ehrenamtlich auch beim Haushaltsservice des Arbeitslosenverbandes hilft. „Die Politiker wissen gar nicht, wovon sie reden“, sagt der Schweriner mit Blick auf die aktuelle Debatte um Hartz IV. Die Reichen im Land würden immer reicher – das sei die Wahrheit. Schulz will sich jedoch nicht unterkriegen lassen, behält seinen Lebensmut. „Eine Schiffsreise ist mein großer Traum“, sagt er.

Artikel in der SVZ vom 16.4.2018: „Überleben mit Hartz IV“

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